Eine aktuelle schwedische Studie kommt zu einem alarmierenden Schluss: Bisherige Untersuchungen hätten sowohl die Reichweite als auch die Gesundheitsgefährdung durch Infraschall unterschätzt. Bei großen Windparks reiche die Wirkung angeblich bis zu 90 Kilometer weit. Renommierte Mediziner sehen sich deshalb heftigen Angriffen der Windkraft-Lobby ausgesetzt, weil sie diese Ergebnisse ernst nehmen – so berichtete es Tichys Einblick am 28. Juli 2026 unter dem Titel „Windräder: Klimaretter oder Krankmacher?“.
Kommentar von Dr. Karin Lindenberg, Energiepolitisches Institut der Alternative
Ich nehme neue Forschung immer ernst, gerade wenn sie unbequem ist – alles andere wäre Wissenschaftsverweigerung. Und eine Reichweite von 90 Kilometern klingt zunächst nach einem Ergebnis, das die gesamte bisherige Debatte über den Haufen wirft.
Nur: Genau deshalb verdient eine solche Behauptung eine besonders gründliche Prüfung, bevor man sie als bestätigt verbreitet. Außergewöhnliche Befunde brauchen außergewöhnlich gute Belege – unabhängige Messungen, Reproduzierbarkeit, ein sauberes Peer-Review. Genau daran haperte es bei früheren Infraschall-Warnungen wiederholt: Ein Faktencheck-Format der Wissenschaftsredaktion Quarks hat mehrfach gezeigt, dass ähnliche Behauptungen bei genauerer Prüfung nicht standhielten – etwa weil Studien aus völlig anderen Kontexten übertragen oder physikalisch nicht haltbare Wirkmechanismen unterstellt wurden. Das heißt nicht, dass man das Thema begraben sollte. Es heißt nur: Eine einzelne neue Studie ist ein Anlass für weitere Forschung, kein Beweis. Panik ist hier ebenso fehl am Platz wie vorschnelle Entwarnung.
Quelle: Quarks, „Science Cops“ – Faktencheck Infraschall und Windkraft
Ursprünglicher Beitrag: Tichys Einblick, 28. Juli 2026.
