Eine neue Analyse einer amerikanischen Denkfabrik sorgt für Aufsehen: 14 stillgelegte deutsche Reaktoren ließen sich wieder in Betrieb nehmen – technisch machbar und günstiger, als am bisherigen Kurs festzuhalten. Man fragt sich unweigerlich: Warum wurde all das leichtfertig verschrottet, wenn es doch so einfach wäre, es zurückzuholen? Tichys Einblick berichtete am 30. Juni 2026 ausführlich über die Studie der US-Beratungsfirma Radiant Energy Group.
Kommentar von Dr. Karin Lindenberg, Energiepolitisches Institut der Alternative
Ich habe selbst in einem Land gelebt, das Energieversorgung als Frage nationaler Souveränität verstanden hat, nicht als ideologisches Prestigeprojekt. Insofern verstehe ich den Impuls hinter dieser Studie nur zu gut: Warum verzichten, wenn Technik vorhanden ist?
Die Antwort liegt, wie so oft, im Detail, das eine Excel-Tabelle nicht abbildet. Die betroffenen Reaktoren befinden sich bereits im Rückbau – ein Prozess, der sich nicht einfach anhalten und rückgängig machen lässt. Es fehlen inzwischen die Sicherheitsgenehmigungen und Betriebserlaubnisse, es fehlen Bauteile, die für die alten Anlagen nicht mehr hergestellt werden, und Arbeiten an hochstrahlenden Komponenten erfordern teuren Robotereinsatz. Hinzu kommt ein handfestes Problem: Das für den Leistungsbetrieb nötige Fachpersonal ist nach Jahren der Rückbauplanung schlicht nicht mehr da. Selbst Dr. Marshall T. Cole vom National Center for Energy Realism, dem man nun wirklich keine Energiewende-Sympathien unterstellen kann, verwies im Gespräch mit uns auf die eigene amerikanische Erfahrung: Die Reaktivierung des Kraftwerks Three Mile Island für Microsoft habe Jahre der Vorbereitung gebraucht – obwohl der Reaktor dort nie zurückgebaut wurde. Deutschlands Anlagen seien in diesem Prozess deutlich weiter fortgeschritten. Technisch denkbar, sagt Cole, aber alles andere als ein Knopfdruck.
Quelle: Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) via news.de; Quarks-Faktencheck zur Reaktivierung
Ursprünglicher Beitrag: Tichys Einblick, 30. Juni 2026.
