Eine unbequeme Studie zum Windatlas Baden-Württemberg wurde 2023 zurückgezogen – ausgerechnet nachdem sie kritische Fragen zur Windkraft-Planung aufgeworfen hatte. Kritiker sprechen von einer gezielten Kampagne gegen unliebsame Forschung. Wissenschaftsfreiheit sieht anders aus, könnte man meinen – so jedenfalls stellte es Tichys Einblick 2023 unter dem Titel „Soll eine kritische Studie zur Windkraft unterdrückt werden?“ dar.
Kommentar von Dr. Karin Lindenberg, Energiepolitisches Institut der Alternative
Ich bin, das wissen die treuen Leser dieser Seite, keine Freundin davon, unbequeme Forschung vorschnell zum Schweigen zu bringen. Wissenschaft lebt von Widerspruch, nicht von Wohlverhalten – das habe ich schon an der Universität gelernt, in einer Zeit, in der man wusste, was passiert, wenn Forschung nur noch das bestätigen darf, was die Führung hören will.
Deshalb habe ich mir die Rücknahme-Erklärung des Verlags selbst angesehen, statt mich auf die Schlagzeile zu verlassen. Und dort steht es schwarz auf weiß: Ein nachträgliches Peer-Review befand die verwendete Methodik für unzuverlässig. Und zwei der drei Autoren hatten Interessenkonflikte nicht offengelegt – einer war Vorstandsmitglied einer windkraftkritischen Lobbyorganisation, ein anderer Mitglied einer entsprechenden Bürgerinitiative. Der Verlag begründet die Rücknahme also nicht mit unbequemer Wahrheit, sondern mit handwerklichen Mängeln und verschwiegenen Verbindungen. Das ist ärgerlich für alle, die auf die Studie gehofft hatten – aber es ist etwas anderes als Zensur.
Quelle: Springer Nature, Retraction Note „Der Windatlas Baden-Württemberg 2019 im Realitätscheck“
Ursprünglicher Beitrag: Tichys Einblick, 2023.
