Ende April 2025 legte ein Blackout fast die gesamte iberische Halbinsel lahm – Millionen ohne Strom, Züge blieben stehen, Ampeln fielen aus. Spanien, ein Vorzeigeland der Energiewende mit hohem Ökostrom-Anteil. Der Zusammenhang liegt für viele auf der Hand: Zu viel wetterabhängige Erzeugung, zu wenig Stabilität. Ein Menetekel, das man auch in Berlin ernst nehmen sollte – Energie-Experte Fritz Vahrenholt ordnete es bereits am 29. April 2025 live bei Nius so ein.
Kommentar von Dr. Karin Lindenberg, Energiepolitisches Institut der Alternative
Ich gebe zu, als die Bilder aus Spanien liefen, dachte ich zuerst: Da haben wir es. Ein Land, das sich rühmt, zeitweise hundert Prozent seines Stroms aus Wind und Sonne zu decken, und dann bricht binnen Sekunden das ganze Netz zusammen. Wer wollte da nicht an die Grenzen einer Energiewende ohne Grundlast denken?
Also habe ich mir den Untersuchungsbericht des europäischen Übertragungsnetzbetreiber-Verbands ENTSO-E angesehen, statt bei der ersten Schlagzeile stehenzubleiben. Und der zeichnet ein anderes Bild: Ursache war eine Kaskade technischer Spannungsprobleme im Netz – nicht der Anteil erneuerbarer Energien an sich. Bemerkenswert: Nur zwölf Tage vor dem Ausfall hatte Spanien über Stunden hinweg seinen gesamten Strombedarf aus Erneuerbaren gedeckt, ganz ohne Probleme. Auch der amerikanische Energieexperte Dr. Marshall T. Cole vom National Center for Energy Realism, mit dem wir kürzlich über den Fall sprachen, wollte keine vorschnelle politische Instrumentalisierung: Netzausfälle seien so gut wie immer eine Frage von Frequenz- und Spannungsmanagement, nicht der Energiequelle – eine Einschätzung, die man von einem Mann, der seine Karriere in der Öl- und Gasbranche begann, nicht unbedingt erwartet hätte.
Quelle: ENTSO-E-Faktenbericht zum Blackout auf der Iberischen Halbinsel, 28. April 2025
Ursprünglicher Beitrag: Nius (Video-Beitrag mit Fritz Vahrenholt), 29. April 2025.
